Strahlerweg:
Betriebsausflug an den Hinteren Gelmerhörnern, P.3097

8 Seillängen, 6b (5c obl), 300 Höhenmeter, Eingerichtet zum Abseilen mit 2x60m

Material: Friends 1 - 2,5; Rocks, 60m Seile, Pickel für Zustieg

Erstbegehung von Christoph Mauerhofer und Thomas Hofmann (10./11. Juli 2007)

Schöne alpine Kletterroute.



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Im Jahre 2006 waren Chrigu und ich wieder mal an den Gelmerhörnern klettern. An einem wunderschönen Herbsttag führten wir uns den "Weissen September" und den "Roten Oktober" zu Gemüte. Beim Sichern fiel uns beiden die imposante Westwand der Hinteren Gelmerhörnern auf. Durch den Feldstecher sah das Ganze sehr gluschtig aus, und wir beschlossen, darüber einige Nachforschungen anzustellen.


Bild: Zustieg zum Wandfuss über den Gletscher mit dem Gelmersee im Hintergrund.
Zuhause fingen wir an, die Karten und SAC-Führer zu studieren. Sehr bald stiessen wir auf die Begehung der direkten Westwand von Hannes Grossen und Wale Josi, die in Grossen's Kultbuch "Berner Oberland - Die 100 schönsten Touren" sehr anschaulich beschrieben wird. Dieser Bericht stachelte unsere Neugier noch mehr an, da von schöner Kletterei in kompakten, eisenhartem Granit die Rede war. Wir waren bereit, uns das Ganze mal aus der Nähe anzusehen.


Bild: Anseilen beim Bergschrund, der je nach Verhältnissen Probleme bieten könnte.


Ein paar Wochen später statteten wir der Wand einen ersten Besuch ab. Das Ziel dieses Ausflugs war, den besten Zustieg auszukundschaften, die Wand von möglichst nahe abzufeldstechern und einen geeigneten Biwakplatz zu finden.


Bild: Tom Hofmann beim Einrichten der ersten Seillänge, einer steilen 5c.
Der Aufstieg führt uns in ein wunderschönes Seitental, das wohl nur von Strahlern, Jägern und Hirten begangen wird. Dementsprechend unscheinbar ist auch der Weg. Wir wähnen uns in einer vergessenen Welt, ein Gefühl, das im Berner Oberland nur selten aufkommt. Chrigu hat seine Strahlerutensilien dabei, und wir fangen auch hie und da an zu graben. Die Talseite wurde wegen den berühmten Rauchquarzen schon oft besucht und entsprechend oft treffen wir auf ausgeräumte Klüfte.


Bild: Chrigu in der wunderschönen ersten Seillänge.
Die Wand sah super aus. Wir suchten die Linie der klassischen Westwand von Josi/Grossen und sahen, dass rechts davon noch sehr viel Platz für neue Touren war. Allerdings waren wir uns nicht im klaren, wie schwer die ersten beiden Seillängen werden würden, da sie steil und glatt aussahen. Wir beschlossen, die Wand im nächsten Sommer anzugehen. Die mitgebrachten 40 Inox-Bohrhaken deponierten wie auf einem Felssporn nahe dem Gletscher.


Bild: Am Anfang der zweiten Seillänge..links oder rechts?
Danach machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Biwakplatz. Auf dieser Höhe lag immer noch etwas Schnee und wir konnten nichts wirklich befriedigendes finden. Dafür fanden wir eine vielversprechende Ader, an der wir den Nachmittag mit buddeln verbrachten.


Bild: Schlüsselstelle in der 3. Länge. 6b oder 5c A0
Bei einem späteren Erkundungsgang zusammen mit Guido Köhler fand Chrigu einen herrlichen Platz, den sie auch gleich auszubauen begannen. Er ist zwar nicht regensicher, dafür ist die Aussicht und das Ambiente für die Götter.


Bild: 4. Seillänge: 55m 5c+ vom Feinsten
Die beiden fingen auch an, am Felsband über dem Biwakplatz zu Klettern. Clean rauf und an einem frisch gebohrten Stand wieder runter - da kommt Freude auf! Das Band ist etwa 200m lang, 30m - 60m hoch und bietet noch tonnenweise Möglichkeiten. Bitte nur Stände und keine Zwischensicherungen bohren..


Bild: Chrigu in der 6. Seillänge: Genusskletterei pur.
Nach zwei weiteren Besuchen war das Biwak soweit eingerichtet und wir waren bereit für den summit-push (das dachte ich jedenfalls:). Am erstbesten Wochenende im 2007 kamen wir ins Biwak und hatten Grosses vor. Am Samstag wollten wir am Felsband einklettern und am Sonntag an die Wand.. Nach all dem Industrieklettermurx und zuwenig Felskontakt kam ich schon bei einer neuen und cleanen 5c Linie arg ins schwitzen- so dass mir die Lust auf die Wand schnell verging.


Bild: 7. Seillänge: Wunderbar ausgesetzte 5b Verschneidung
Am Sonntag war das Wetter gottlob sowieso schlecht und nach ein paar Topropes am Felsband gings zurück ins Tal. Der Ort und die Kletterei hatte sich in unseren Körpern festgekrallt. Wir warteten auf den richtigen Augenblick und freuten uns wie kleine Kinder.


Bild: Chrigu in der letzten Seillänge
Und dann wars soweit: Wetter gut, Kunden vertröstet und körperlich fit brachen wir auf ins Biwak. Mit schweren Säcken dauert der Aufstieg ins Biwak 2,5 Stunden. Dort angekommen nur noch schlemmen, rauchen und die Aussicht geniessen... und mit den Gedanken schon beim morgigen Tag.


Bild: Auf dem Gipfel
Vom Biwak gelangen wir weglos in einer Stunde über mächtige Gletschermoränen bis nahe an den Einstieg. Für die letzten paar hundert Meter Gletscher seilen wir uns an. Der Bergschrund lässt sich an der gewünschten Stelle knacken und der Einstieg sieht von hier auch nicht mehr so steil aus. Aber die Wand liegt noch im Schatten und macht mächtig Eindruck.


Bild: Chrigu mit dem Rohnegletscher im Hintergrund


Ich steige ein und eiere über Gletscherschliff einer Rinne entlang. Bevor ich mich in eine senkrechte und ziemlich glatte Wandpassage hangle, setze ich den ersten Bohrhaken. Von nun an scheint das Eis gebrochen. Die Kletterei ist fantastisch und die Linie ergibt sich wie von selbst. - Friends, Keile und zwischendurch mal wieder einen Bohrhaken. 
Vor der Schlüsselstelle, einem glatten Plattenpanzer, beraten wir uns, in welche Richtung es wohl weitergehen könnte. Wie durch ein Wunder lässt sich die Stelle dank versteckten Leistchen knacken und wir wissen, dass nun einer homogenen Linie bis auf den Gipfel nichts mehr im Wege steht. Nach fünf Seillängen lassen wir das Material hängen und seilen ab.
Am nächsten Tag vollenden wir die Tour, indem wir bis auf den Gipfel steigen. Wir sind überglücklich, dass alles gut gelaufen ist und freuen uns schon aufs Bier im Biwak. Die Tour kann allen alpinen KlettererInnen ans Herz gelegt werden. Wer den langen Aufstieg nicht scheut, findet hier ein wahres Juwel. Fitte Seilschaften können die Tour von Chüenzentännlen aus wohl auch in einem Tag schaffen.


Bild: Beim Abstieg über den Gletscher
Das Biwak bietet Platz für drei Leute mit einer grandiosen Aussicht.
Übersichtskarte
Dieses Foto stammt von der Begehung der direkten Westwad von Hannes Grossen und Wale Josi, 31.7.1975.

Das waren noch Zeiten - Hut ab!



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