Erstbegehungen in Ostgrönland - reines Plaisier


Chrigu Mauerhofer, Ändu Lanz, Tom Hofmann

10. Juli bis 8. August 2003

Nach kurzer, heller Nacht in Reykjavik und drei Stunden Flug mit Greenland-Air landen wir auf der Schotterpiste von Kulusuk. Die Luft ist frisch und kalt. Es riecht nach Aussenposten.Vor der Küste liegt noch ein massiger Packeisgürtel der gegen Süden driftet - in den Fjords ist das Eis offen und Tobias unser Bootsführer umkurvt bei der Überfahrt nach Tasilaq schwimmende Eistürme, als wären es zu langsame Verkehrsteilnehmer.

Im Supermarkt von Tasilaq decken wir uns dann gleichentags mit Essen für drei Wochen ein und schlecken auf der sonnigen Terrasse vor dem Buchladen überdimensionierte Eis mit Inuitkindern. Beim Red House können wir unsere Ware sortieren und verpacken sie feinsäuberlich in blaue Kunststofffässer. Beobachtet werden wir dabei von zwei betrunkenen Inuitfrauen in unserem Alter, die beide durch unglückliche Jagdunfälle ihre Männer verloren haben. Ihren Rat, vorsichtig zu sein, wollen wir uns gerne zu Herzen nehmen. Wir sind nicht hergekommen, um Heldentaten zu vollbringen.
Am Abend werden wir von Robert Peroni zum Abendessen eingeladen. Es gibt vom Narwal, den Tobias harpuniert hat. Das Fleisch ist dunkel und leberfarbig, schmeckt aber eher wie Suppenfleisch. Von Peroni, der seit langer Zeit in Tasilaq wohnt, erhalten wir wichtige Tips und können auch Ausrüstungsgegenstände mieten: Notsender E-birp, Funkgeräte, Repetiergewehr mit Schrotmunition, Reinbenzin und gefriergetrocknetes Gemüse.
Tags darauf bringt uns Tobias' Bruder mitsamt seinen vier Kindern und dreihundert Kilo Gepäck in den Tasilaq Fjord. Das träge Motorboot gerät an seine Grenzen, wollen doch immer wieder Eisschollen aus dem Weg geräumt werden. Endlich da. Sechs Stunden Fussmarsch liegen zwischen Kummit, der nächsten Inuitsiedlung und uns. Eine wunderbar Flache Moräne am Ufer des Fjords bietet sich zum Verweilen an.
Unser Basecamp besteht aus einm geräumigen Hillebergzelt und einem Tentwing zum Kochen. Gegen freche Polarfüchse und Krähen verbunkern wir allen Food in Steinschränken und Fässern und aus übertriebener Angst vor Eisbären machen wir gleich erste Schiessversuche mit der Pump-Action. Es ist jetzt 12. Juli und die Sonne verschwindet für etwa fünf Stunden flach hinter dem Horizont, um nach kurzer Dämmerung wieder zu erscheinen. Fantastische Bedingungen zum Bergsteigen.
Am nächsten Tag wandern wir drei Stunden zum Einstieg der projektierten Wand, um mit dem Feldstecher mögliche kletterbare Linien auszumachen. Weil der Fuss des rechten Wandteils von einem Hängegletscher bestrichen wird, werden wir uns schnell einig, wo die ideale Route einsteigen soll. Sorgen bereitet uns die hundert Meter hohe Headwall, die von unten sehr steil und kompakt aussieht.
Die Schneeverhältnisse und stetiger Sonnenschein wirken sehr animierend und wir beginnen, über die Normalroute durch Sulzschnee aufzusteigen. Um 22.00 stehen wir auf dem Gipfel des Berges, der vom BC aus dem Monte Rosa ähnelt. Von diesem Punkt aus (1405m) bietet sich eine atemberaubende Aussicht.
In etwa 60km leuchtet die Inlandeiskappe im Abendlicht, auf der anderen Seite münden die Fjords ins zugefrorene Meer, dazwischen eindrückliches Gebirge und Gletscher soweit das Auge reicht. Um 2.00 sind wir wieder im BC und essen ruhig und unbedrängt von Moskitos Pastas mit Knoblauch.
Nach einem Ruhetag, den wir mit Angeln und Kochen verbringen, fühlen wir uns in Form die Wand anzugehen. Früh aufstehen erübrigt sich und so stehen wir um 11.00 am Einstieg, wo mich Ändu nach kurzer Rast an die Leine nimmt.
Schnell gewinnen wir an Höhe. Die Kletterei ist steil, verläuft ab der zweiten Seillänge in kompaktem Gneiss, lässt sich aber problemlos clean absichern. Um uns den Rückzug aus der Wand zu vereinfachen, bohrt Chrigu von Hand an jedem Stand zwei 8mm Bohrhaken. Nach vier Seillängen um 5c gelangen wir auf eine markante Rampe die uns in weiteren zwei leichten Seillängen an die Headwall heranführt. Jetzt sitzen wir in der Sonne, essen was, und diskutieren den Weiterweg.
Eine senkrechte, 50m lange Traumverschneidung lässt uns den kompaktesten Teil der Headwall im 6a+ Bereich überwinden. Die letzte Seillänge hangeln wir uns über Überhänge, immer begleitet von fantastischen Quarzadern (6a+). Wow. Plaisir pur.
Und dann stehen wir oben auf dem Pfeilerkopf. Es ist 21.00 Uhr. Das Licht wird rot. Wir umarmen uns, rauchen, blinzeln mit der Sonne um die Wette und schwelgen über die wunderschöne Kletterei, die wir gerade erleben durften. Narwal soll die Route heissen.
Die letzten zweihundert Höhenmeter durch den Firnschnee auf den Gipfel ersparen wir uns, schliesslich waren wir ja vorgestern schon auf dem Gipfel. Die Abseilerei ist purer Luxus - an frischgebohrten Ständen geht's in einer Stunde steil durch die Wand runter. Um 23.00 stehen wir wieder beim Gepäck am Wandfuss und kurz darauf trotten wir die drei Stunden zurück zum BC über Gletscher.
Ein weiterer Ruhetag ist angesagt. Die Lachse beissen nur spärlich, aber das blosse aufs Wasser schauen beruhigt die Nerven. Tja was nun? Kaum eine Woche hier und das Projekt bereits abgehakt. Als riesige Felsnadel und höchster Punkt der Umgebung (2096m) weckt der Störebror, der grosse Bruder, unsere Begehrlichkeit. Kühn beherrscht er den Horizont und abweisend weit weg erscheint er, mit den Fuchszähnen im Vordergrund.
Wir wollen versuchen, ihn von der Nordseite her anzugehen. Mit etwas Kletterausrüstung, Biwakzeug, Food und Eisgeräten im Rucksack machen wir uns auf den Weg, verfolgt von bissigen Moskitoviechern. Fast am Ende des Tasilaqfjords steigen wir rechts auf einen Gletscher und stechen hoch zur Tasiilaq Mountain Hut, wo wir die Nacht verbringen.
Am Morgen verschlafen wir uns und erwachen erst um sieben Uhr. Das Wetter verheisst nichts Gutes. Der Zustieg führt 15 Km über topfebenen Gletscher. Zermürbend klein wie Ameisen kommt man sich da vor. Die Dimensionen übersteigen unser Alpenbewusstsein. Eiswüste soweit das Auge reicht, flankiert von gewaltigen Felsbollwerken wie dem Ritterknecht oder dem Tupilak in der Ferne. Man fängt an die Schritte zu zählen. Nach hundert schaut man wieder auf und die Landschaft sieht noch genaugleich aus wie vorher.
Als wir dann endlich unter dem Störebror stehen, wird uns sofort klar, dass dies heute eine Nummer zu gross für uns ist. Etwa 700 Höhenmeter im dritten Grad kombiniert und dann noch die eigentliche Nadel, 200m Kletterei im fünften Grad mixed. Da stehen wir mit unseren vier Cams, den paar Schlingen, dem Halbseil wie mit abgesägten Hosen da. Stattdessen steigen wir einige hundert Meter richtung Trillingerne hoch, und geniessen dann die fantastische Szenerie. Vom Pickelhuhn bis zum Meer liegt alles vor uns, eingehüllt in eine düstere Wolkenatmosphäre. Der Rückweg, angeseilt im pflotschnassen Schnee zu trotten, erweist sich als mühselig. Bei der Hütte sind wir völlig auf den Felgen und beschränken unsere Aktivitäten aufs rauchen, kochen und essen.
Bevor wir am nächsten Tag im Nebel absteigen begutachten wir noch die Felswände rundherum mit dem Feldstecher. Hier liessen sich schöne und lange Klettertouren begehen, mit einem komfortablen Haus als Basecamp. Kaum erreichen wir unten im Tal die sumpfige Schwemmebene hinter dem Tasiilaqfjord, sind wir auch schon wieder eingehüllt von Wolken hungeriger Moskitos. Von denen gibt es hier im Sommer ebensoviele, wie Berge und Schnee. Man darf gar nicht erst versuchen, sie fluchend abzuhängen. Durch den produzierten Schweiss werden die Biester noch agressiver und greiffen gleich staffelweise an.
Dafür haben wir dann beim Fischen Glück und fangen in zwei Stunden sechs fette Lachsforellen und einen stattlichen Dorsch- ein Festschmaus. Das Basecamp ist am nächsten Tag schnell abgebaut und mit ein paar Inuitjägern fahren wir fjordauswärts richtung Kummit. Nahe der alten Inuitsiedlung Nûkasak, in einem lieblichen Flusstal voller Flechten und einem Sandstrand, wo bisweilen Eiskolosse bei Ebbe stranden, schlagen wir unser Lager zum zweiten Mal auf.
Weiter hinten im Tal thront ein majestätischer Pfeiler, der uns schon bei der Anfahrt zum Tasilaq Fjord ins Auge gesprungen war. Dieser soll unser nächstes Projekt sein. Doch zuerst mal zwei Tage Pause: Wäsche waschen, Fischen, Feldstechern. 30 Minuten oberhalb des Camps lässt es sich in einem riesigen Blockfeld erstklassig bouldern. Chrigu und Ändu wandern zum Wall und befinden die Tour als machbar.
Dann nichts wie los. Nach drei Stunden Zustieg über Gletscher sind wir anderntags gegen 9.30 am sonnigen Einstieg, essen und sortieren das Material.. Da wir mit einem Durchstieg rechnen und laut Karte der Abstieg möglich ist, verzichten wir aufs Schlagen von Standbohrhaken. Chrigu übernimmt den Vorstieg des Pfeilers.Die ersten drei Seillängen erweisen sich als sehr tricky, da er kaum Absicherung anbringen kann, und die Kletterei sich doch im oberen sechsten Grad bewegt. Es gibt angenehmeres, als an Hängeständen aus Messerhaken und plattgeklopften Keilen einen heiklen Vorstieg zu sichern.
Wir sind gottenfroh, als wir diesen Vorbau hinter uns haben. Auf einem gemütlichen Schuttfeld beruhigen wir unsere Nerven, essen was und besprechen den Weiterweg. Der Pfeiler hat noch nichts von seiner Höhe eingebüsst, doch das Gelände sieht freundlicher aus. Es zieht uns nach links, weg von der steilen Kante, hinein in ein grosszügiges Riss- und Verschneidungssystem. Hier gewinnen wir schnell an Höhe. Nach sechs Seillängen gelangen wir wieder auf die Pfeilerkante und am Horizont taucht das Meer auf.
Es ist warm, man könnte im T-shirt klettern. Der Fels lässt keine Wünsche offen. Gneis vom Feinsten. Doch nach weiteren drei Seillängen rechts der Kante das AhA-Erlebnis: Die vermeindliche Pfeilerschulter gibt den Blick auf eine Gipfelschlucht frei, die uns den Weiterweg versperrt. Es bleibt nichts anderes übrig, als in drei kniffligen Längen den vorgesetzten Turm ganz zu besteigen. Von seinem Top aus seilen wir uns an einem wackligen Block in eine Scharte ab. Die verbleibenden 60 Meter Platte sind reine Finkensache - dann sitzen wir oben. Abgekämpft und glücklich. Froh auch, nach 15 Seillängen aus der Wand draussen zu sein.
Die Route taufen wir Pilersuisoq, benannt nach der grönländischen Supermarktkette. Schön, wenn man Kletterfinken gegen Bergschuhe austauschen kann. Die letzten 150m Grat zum Gipfel nehmen wir mit einem Lächeln auf den Lippen. Um 23.00 stehen wir ganz oben auf dem Gipfel des Pt. 1150m. Die Sonne legt sich gerade Schlafen und taucht die Ostküste Grönlands in rote Farbe. Das Meer hat schon etwas weniger Packeis. Wie es so ist auf Gipfeln: Kaum bist du oben, verliebst du dich in den nächsten Berg. Gleich vis à vis lächelt uns bereits die nächste Wand an. Vielleicht wäre das noch eine schöne Abschlusstour vor dem Heimfliegen. Inschallah.
Erst mal die 1100m runter ins BC und dann essen, trinken, schlafen. Der Abstieg ist easy - unten wartet das Bier und die Moskitos. Die Nächte werden je länger je dunkler. Um 4.00 gehen wir schlafen. Die nächsten drei Tage sind mühsam. Ausgelaugter Körper und nasskaltes Wetter. Wir helfen uns mit Kochen und Lesen im Zelt über die Runden. Ein junger Polarfuchs wird immer aufdringlicher und streicht uns fast zwischen den Beinen durch. Wir bauen ihm Fotofallen mit festgebundenen Fischködern.
Als sich die Sonne wieder zeigt, wandere ich die vier Stunden nach Kummit, um mit dem alten Jäger Ulrik über einen Bootstransfer zu verhandeln. Hilft man ihm seine gefangenen Dorsche aus dem Hafen zum Haus zu tragen, kriegt man dafür Pulverkaffe, Tabak und viel inuitsche Gemütlichkeit. Unsere Beschäftigung kommentiert er verschmitzt mit "climbing?- You don't like long life?" Als einzig Englischsprechender im Dorf geniesst der Siebzigjährige das Privileg, mit Touristen zu verhandeln und Jobs im Dorf weiterzugeben. Es versteht sich von selbst, dass um den Preis gefeilscht werden muss. Für die Inuits sind die paar Sommermonate die einzige Möglichkeit, durch Touristen wie uns an Devisen zu gelangen.
Am Nachmittag fahren wir mit drei kleinen Booten nach Nûkasak, wo Chrigu und Ändu bereits mit dem Material am Ufer warten. Die Jäger chauffieren uns dann zurück, an Kummit vorbei und um uns östlich davon, nahe der Furt von Illitiartik, auf einer markanten Landzunge abzusetzen. Das Wasser ist hier klar und fischreich - man kann die Köder den grössten Dorschen direkt vors Maul werfen.
Ihren Ruhetag nutzen Ändu und Chrigu mit einem Ausflug nach Kummit, um bei Ulrik zu telefonieren. Bei Fischsuppe sortieren wir am Abend das Kletterrack für den nächsten Tag und gehen gegen Mitternacht schlafen.
Um drei Uhr weckerts bereits und wir stopfen benommen möglichst viele Kalorien und Flüssigkeit in uns rein - die Akkus müssen voll sein für unser Vorhaben. Es ist erster August, um halb fünf, die Sonne zeigt sich bereits über den Bergspitzen, ziehen wir los über federnde Grasmutten und moorige Wiesen richtung Tunuup Kua. Das Tal ist wunderschön, nur der schon von weitem hörbare Fluss macht uns Sorgen.
Etwa ein Kilometer oberhalb seiner Mündung lässt er sich dann doch überqueren. Bis über die Knie im Gletscherwasser stehend, sind die Treckingstöcke unerlässlich, um nicht weggeschwemmt zu werden. Nach kurzer Trocknungs- und Tabakpause geht's dann gleich weiter talaufwärts, verfolgt von den inzwischen erwachten Moskitos. Vor einem markanten, etwa 100m hohen Granitrücken, durch den sich der Tunuup Kua durchgefressen hat, taucht plötzlich rechterhand die Spitze unseres Cliffes auf. Etwa eine Stunde steigen wir dann über steile Moränen richtung Gletscher auf.
Endlich, beim Gletschertor auf 500m ü. M., säuselt ein kühles Windchen und vertreibt die gefrässigen Scheissviecher. Hier rasten wir ausgiebig und schielen zur Wand hoch, die noch im Schatten liegt und gfürchig aussieht.
Angeseilt begeben wir uns dann auf den Gletscher und steigen steil zur Wand auf. Den Einstieg (900m ü. M) erreichen wir um 12.00 Uhr.
Die Sonne wärmt inzwischen den Fels und Ändu macht sich ans Vorsteigen. Er knackt den klaffenden Bergschrund an der einzig möglichen Stelle, um sich dann an gutgriffigem Gneiss steil höherzuangeln. Die ersten beiden Seillängen sind fantastisch und führen auf eine gratähnliche Rampe.
Auf dieser geht's dann in grosszügiger klassischer Kletterei rasch richtung Gipfel. Da wir vermuten, den Berg an seiner einfachsten Stelle zu knacken und somit kein Fussabstieg möglich sein würde, bohrt Chrigu die Abseilstände, während ich Ändu beim Vorsteigen sichere.
Sechs Stunden und acht Seillängen später stehen wir auf dem Gipfel (ca. 1250m), den wahrscheinlich noch kein Mensch vor uns betreten hat. Er ist auf der Karte nicht einmal kotiert, obwohl er eine markante Erhebung in der Landschaft darstellt und gegen alle Seiten steil abfällt.
Erschöpft lassen wir uns auf dem topfebenen Gipfelplateau nieder und lassen die Blicke schweifen. Einmal mehr liegt uns Ostgrönlands Berg- und Gletscherwelt zu Füssen, eingerahmt von offenem Meer und Inlandeis. Der Moment hat etwas heiliges. Wir sind glücklich, dies erleben zu dürfen und versinken in träumerische Stille. In so Momenten wünscht man sich, die Zeit könnte nur eine Weile stehen bleiben.
Das Abseilen verläuft wider Erwarten ohne grössere Probleme und um 22.00 stehen wir wieder am Einstieg. Langsam macht sich Kälte und Müdigkeit breit - nur mal runter vom Eis.
Die Route nennen wir Plaisir extrem - in den Alpen wäre sie ein vielbegangener Klassiker.Beim Gletschertor schlüpfen wir aus den lästigen Kletterutensilien, essen was und bereiten uns psychisch auf den langen Rückweg vor. Der Tunuup Kua führt nun noch bedeutend mehr Wasser als am morgen. Jetzt heissts Zähne zusammenbeissen und durch. Um wieder warm zu kriegen ziehen wir die Socken gleich über die nassen, verkrampften Füsse und eilen von dort aus dank Ebbe in zwei Stunden zurück zum Camp.Dort klappen wir zusammen und schlürfen literweise Bouillon, bevor wir um 3.00 Uhr, 24 Stunden nach Aufbruch in einen komatösen Schlaf verfallen.
Tags darauf gilt unsere Aufmerksamkeit dem wiederauffüllen verlorener Kalorien. Wir verdrücken kiloweise gesammelte Miesmuscheln, Birkenröhrlinge und braten einige Dorsche. Unglaublich, was man nach so einer Tour alles essen kann.
Zwei Tage später sind wir bereits in Tasiilaq. Wir zelten unweit der ständig brennenden Müllhalde und beobachten Massen von Wandertouristen in viel zu sauberen Kleidern, die von Kulusuk her Ammassalik überschwemmen.Es kotzt richtig an, man wird vollgelabert - und doch geniessen wir die Vorzüge der Zivilisation.
Man hat wieder Handyempfang, kann im Supermarkt einkaufen und mit Inuitkindern Eis schlecken. Wir brauchen einige Tage, um uns wieder an all die Leute zu gewöhnen. (tom)

Grönland

Grösste Insel der Welt. 80 Prozent der Oberfläche sind ganzjährig vergletschert. 57'000 Einwohner die hauptsächlich von der subventionierten Jagd und Fischerei leben. Die Hauptstadt Nuuk (Gothab) liegt wie die meisten Siedlungen an der Westküste. An der gesamten Ostküste ist die Region um Ammassalik (Tasilaq) die einzig dichter besiedelte - wegen dem kalten Golfstrom, der entlang Grönlands Osten ständig Polareis in den Süden führt. Deshalb ist Ammasalik nur während einiger Wochen mit dem Schiff zu versorgen. Die USA verfügen auf der Insel über zwei riesige Airbasen: Nanortalik im Süden und Thule im Norden.

Ostküste

Ammassalik ist der Hauptausgangsort für viele bekannte Expeditionsziele: Inlandeisüberquerung nach Westen (400km), Mount Forel 3360m (neben dem Gunbjörn Fjeld 3700m der zweithöchste Gipfel Grönlands) liegt etwa 100km nördlich von Sermilik. Auf dem Weg dorthin liegt auch der Tupilak 2264m, an dem bereits einige happige Bigwalls etabliert sind. An den Foxjaws im Tasilaq Fjord gibts auch einige reine Felstouren, ebenso am Ritterknechten.

Erreichbar ist Ammassalik mit Greenland-Air. Es gibt im Sommer täglich eineVerbindung zwischen Reykjavik und Kulusuk. Am besten plant man Expeditionen aller Art, indem man mit Robert Peroni per E-mail Kontakt aufnimmt. Er kann die Tragweite eines Projekts einschätzen, vermietet Material und organisiert Boottransfers.

 

Unsere Devise war: Leicht und schnell. Das heisst keine Bigwallausrüstung mit Haulbags, Portaledges und Fixseilen. Wir sind alpin geklettert, haben zum Teil Stände gebohrt und sonst alles clean abgesichert. In den vorgefundenen Schwierigkeiten war dieser Begehungsstil ideal. Zusätzlich konnten wir auch einfach unser Basecamp am Ufer eines Fjords aufschlagen, ohne das Material noch in ABC's schleppen zu müssen. In der Umgebung von Ammassilik gibt es noch viele schöne und spektakuläre Walls zu begehen. Der Vorteil an Ostgrönland ist seine legendäre Wettersicherheit. Laut Statistik fällt hier nur an 50 Tagen pro Jahr Schnee oder Regen.Ganz im Gegensatz zu Südgrönland, das für schlechtes Wetter bekannt ist.

Auf dem Kartenausschnitt links sieht man unser Betätigungsfeld in der Umgebung von Kuumiut. Die Pfeile markieren die gekletterten Routen: 1 Narwal, 2 Pilersuisoq, 3 Plaisir extrem (siehe auch Topos). Wo die B's stehen, haben wir biwakiert. MH bedeutet Tasilaq Mountain Hut.

Beste Internetadresse für Tourenplaner aller Art:

www.greenlandguide.gl

www.sagamap.com

Südgrönland

In Südgrönland gibt es Felsen, die vor allem allen Bigwallfreaks ein Begriff sind.

Allein am Nalumasortoq (im Bild) wurden bereits über 12 grosse Linien (1000m) geklettert. Auf verschiedenen Inseln in der weiteren Umgebung von Nanortalik gibt es noch viel zu entdecken.Leider ist das Wetter meistens schlechter als an der Ostküste (aber immer noch besser als in Patagonien).

Für Fragen und Kommentare melde dich bei uns.


 

 











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