Klettern am Fuchsgebiss (Foxjaws) in Ostgrönland

Nach einer problemlosen Reise von Zürich über Kopenhagen und Rejkiavik erreichten wir am 5. August 2000 den Kulusuk International Airport an der Osküste Grönlands, wo wir von Tobias Ignatiusson mit seinem Boot abgeholt wurden. Er arbeitet in Auftrag von Robert Peroni, der sich in Ammassalik niedergelassen hat und als Gastgeber tätig ist.In Ammassalik herrschte graues Wetter.
Wir richteten uns bei Robert im Red House vorübergehend ein und tätigten den grossen Einkauf. Punkto Ernährung setzten auf Hausmannskost, das heisst Reis, Teigwaren, Linsen und Hirse als Grundlage mit Curry oder Tomatensauce ergänzt. Zum Frühstück Brot, Müesli, Käse, Butter und Honig. Bis auf ein paar Delikatessen (Bündner Nusstorte, Dörrobst, Olivenöl) konnten wir das meiste im KNI in Ammassalik einkaufen. Aus Roberts Fundus stammten gefriergetrocknetes Gemüse und Trockenfleisch. Damit haben wir gut gelebt.Ammassalik zählt 3000 Einwohner und gleichviel Schlittenhunde. Trotz Motorisierung sind die Inuit im Winter auf die zuverlässigen Hunde angewiesen. Im Sommer langweilen sie sich an der Kette, da es für sie keine Arbeit gibt.
Zu unserer Freude hatte das per Luftfracht geschickt Material den Zielort erreicht und wir konnten daran gehen, die Ausrüstung und Essen für 25 Tage zusammenzuführen und in wasserdichte Lasten abzupacken. Das Wetter sah nicht rosig aus, aber die Hoffnung bestand, dass sich der Himmel im Fjordinnern aufhellen würde. Am nächsten Morgen sollte es mit dem Schiff an den Fuss der Fuchszähne im Tasijlaq-Fjord gehen.
Am Morgen nieselte es leicht, als uns ein Inuit abholte. Schnell waren die Fässer und Rucksäcke verladen. Wir zogen uns wetterfest an und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Die Fahrt verlief trotz Adis Skepsis ruhig, kaum eine Welle kräuselte die Meeresoberfläche. Das war also Grönland. Stundenlang zogen Berge an uns vorbei, vielfach noch schneebedeckt und lange Fjorde zweigten vom Meer ab ins Landesinnere. In welchem lag denn das Fuchsgebiss?
Endlich näherten wir uns einem schmalen Fjordarm, fast wie ein See lag er da. Der Boostführer kannte die Anlegestelle. Wir schafften die Säcke an Land und ich stolperte nach der langen Sitzerei im Boot unbeholfen mit den Schalenschuhen auf dem Seetang herum. Bevor es zu nieseln begann, bestaunten wir die Felswände weiter hinten im Tal. Dies sollte auch für ein paar Tage die letzte Möglichkeit dazu sein, es begann zu regnen.
Wir richteten uns an Ort und Stelle ein und warteten ab. Nach der Hektik der Reise waren alle froh um etwas Ruhe. Ueli und Adi waren in diesem Sommer als Bergführer schon viel gelaufen und sassen gerne herum, ich fischte.
Trotz zeitweiligem Nebel gab es genug zu sehen. Bei einer Wanderung zur Tasjilaq Mountain Hut erfuhren wir von Dänen die neuen Wetterprognosen, die zuversichtlich stimmten.
Nach zwei Tagen kannten wir den Rhythmus der vormittäglichen Aufhellung und wir begannen, einen Platz für das BC zu suchen, das Material zu verschieben und uns am neuen Ort so gut einzurichten, dass wir nur noch das Zelt zügeln mussten.
Das neue Lager lag etwas vom Talboden erhöht und war durch Felsblöcke gut vor Wind geschützt. In der Nähe fand sich Wasser und genügend Steine zum mauern. Wir erhielten Besuch von stürmischen Schotten, die den Tupilak im Visier hatten und einer nikotinentzogenen Vorhut von Abenteurern aus Oesterreich, die von ebendort kam. What the fuck is tupilak?
Das BC lag nur knapp 2 Std. vom Meer entfernt, so dass immer noch eine Bereicherung der Küche mit Fisch sichergestellt war. Eines Abends auf dem Rückweg ins Lager endlich die Wetterbesserung, die für die nächsten zwei Wochen anhielt.
Da sich auch der nächste Morgen wolkenlos zeigte, zogen wir in unser ABC unterhalb der Fuchszähne.
Die Spannung war gross. Zwar sind wir schon mal am Einstieg des Milchzahns gestanden, doch konnten wir wegen des dichten Nebels die Felsqualität nicht wirklich beurteilen. Wir konnten zwei Linien klettern: die direkte auf den Milchzahn und den rechten Begrenzungspfeiler auf den vierten Zahn. Leider gibt es von dieser Begehung keine Bilder.
Blick zurück in Tasijlaq-Fjord. Die Schwemmebene kann je nach Verhältnissen trocken bis sehr sumpfig sein. Mit der Zeit kannten wir die Ideallinie.
Am Einstieg des Babymolar war es wie im Tessin. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite und der klare Himmel versprach, auch in den nächsten Tagen so zu bleiben.
Auch die Felsqualität liess keine Wünsche offen. Da ich mit Adi am Vortag schon einige Seillängen vorbereitet hatte, kamen wir zügig voran.
Ueli in der zweiten Länge. Plattiger Fels in mässiger Steilheit.
Wir bohrten die Abseilstellen, um uns den Rückzug offenzuhalten, die Kletterei liess sich mit Keilen und cams absichern. Unsere Taktik als Dreierseilschaft hat sich bewährt. Der Vorsteiger baute mit cams einen Stand und sicherte die zwei Nachsteiger. Während der eine anschliessend sicherte, konnte der andere die Bolts für den Rückzug bohren.
Die Route führte uns nach 7 Seillängen auf den Gipfel mit Steinmann. Im Hintergrund die Südabstürze der Trillingerne. Leider sind sie nur schwer zu erreichen (zerrissener Gletscher) und der Fels ist in der Regel auch deutlich schlechter als am Gipfelaufbau.
Beim Rückzug in der Abendsonne haben wir gut lachen und der Fels ist so geil wie er aussieht. Die Lage am Polarkreis bescherte uns jeden Tag endlose Sonnenuntergänge, die nahtlos in die Morgendämmerung übergingen.
Leider gibt es von unserer zweiten Kletterei keine Bilder. Also kurz: Rechter Pfeiler des vierten Zahn. 16 Seillängen bis 6a. Stände gebohrt, Zwischensicherungen mit Keilen und cams. Geklettert am 19. August von Adi Castelberg, Ueli Gnädinger und Christoph Mauerhofer von ABC auf den Gipfel und zurück zum Einstieg. Dort ein paar Stunden geschlafen, weil es für einen weiteren Abstieg zu dunkel war. Am nächsten Tag zurück ins BC. Sehr schöne Kletterei in gutem Fels und hervorragender Sicht auf die Ziele in der Nachbarschaft.
Zurück im BC erholten wir uns und wüteten unter den Vorräten. Immer noch gutes Wetter.
Wir hatten keine Lust, eine weitere Wand in Angriff zu nehmen und starteten stattdessen zu einer dreitägigen Wanderung in den Sermilikfjord, um unseren Horizont zu erweitern und mal richtige Eisberge zu sehen. Da der Tasiilaqfjord nur einen schmalen Eingang hat und keine Gletscher in den Fjord kalben, verirrt sich nur selten ein Eisberg in den Fjord.
Bäche stellten das grösste Hindernis dar. Diese Durchquerung liess sich auf der Gletscherzunge verhindern. Der Waserstand schwankte je nach Tageszeit stark und unsere Wassertreter leisteten gute Dienste.
Kurz vor dem Pass übernachteten wir und liessen unser Zelt an diesem See zurück.
Zu unserer Ueberraschung fanden wir genau auf der Wasserscheide einen kleinen See.
Der Sermilikfjord ist noch weit weg und es erforderte noch ein paar Stunden weglose Wanderung, um ihn zu erreichen. Wir waren mit leichten Rucksäcken unterwegs und kamen schnell voran.
Sumpfige Stellen wechseln ab mit Geröll, Sand, Blockfeldern oder Gras.
Durch die tiefstehende Sonne und die klare Luft scheinen die Moose und Flechten zu leuchten.
Es ist erst mitte August, aber die Pflanzen stehen schon in den Herbstfarben. Die Tage sind noch angenehm mild, nur die Nächte werden länger und künden den kommenden Winter an.
Der Sermilikfjord macht seinem Namen alle Ehre. Sermilik heisst Gletscher. Hier sahen wir Robben und im Winter besteht die Möglichkeit, auf Eisbären zu treffen. Was den Sommer und Eisbären angeht, wollte sich niemand festlegen. Zu unserer Beruhigung trugen wir eine dänische Flinte aus dem Jahr 1920 mit uns herum.
Die Ruhe trügt, das Eis ist in ständiger Bewegung, manchmal kippen Eisberge um oder sie brechen mit Getöse auseinander. Wer zu nahe am Wasser steht, kann von einer Flutwelle erfasst werden. Der Eisstrom wird von 3 riesigen Gletschern gespiesen. Noch vor wenigen Jahren befand sich hier die Abbruchkante.
Blick ins Landesinnere. Die entferntesten Berge sind 200 km weit weg. Die klare Luft narrte uns immer wieder, alles schien höchstens eine Dreiviertelstunde entfernt zu sein.Leider mussten wir zurück zum Zelt und heim ins BC.
Die Tage wurden schnell kürzer und die Schatten länger.
Eines Morgens war der Bach neben unserem Lager überfroren und für uns wurde es Zeit, an die Heimreise zu denken.
Gemächlich zügelten wir unsere Sachen zur Bootsstelle und konnten dabei dem beginnenden Lachszug zuschauen.
Fette Beute. Es lohnte sich, eine Fischrute einzupacken. Wir assen häufig Fisch und schätzten ihn sehr. Die Fangaussichten waren unterschiedlich. Die Besten Köder waren rot oder blau gepunktete, mittelgrosse Mepps.
Der letzte Gang zur Anlegestelle. Inzwischen kannte ich jeden Stein.
Da Ulriks Bootsmotor Schwierigkeiten mit der Zündkerze machte und uns in eine ungemütliche Situation brachte, übernachteten wir auf der Rückfahrt nach Tasiilaq lieber noch einmal in Kummiit. Auf Ulriks Angebot, in seiner überheizten Hütte zu übernachten, verzichteten wir allerdings lieber.
Das Herbstlicht ist sehr klar. Am Abend drehten einige Wale im Fjord vor Kummiit ihre Runden. In Kummiit konnten wir telefonieren und unsere Familien beruhigen.
Blick zurück in den Tasiilaq-Fjord
Die Gezeiten sind stark und der Hafen von Kummiit fällt bei Ebbe trocken. Für die Einwohner von Kummiit bilden Jagd und Fischfang nach wie vor die Existenzgrundlage. An dieser Stelle fand Andi Lanz 2003 einen Eisbärenzahn.
Kummiit ist klein und wird nicht häufig besucht. Für die Kinder waren wir kabluna eine willkommene Abwechslung.
Am nächsten Tag reisten wir mit dem Boot nach Ammassalik wo wir noch einige Tage mit Packen und faulenzen verbrachte. Ende August waren wir wieder zuhause. Besten Dank Adi Casteberg und Ueli Gnädinger für die angenehme Gesellschaft.
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