Klettern, Bouldern und Routenprojekte im Gasterntal


Beängstigend schmal zwängt sich das Strässlein durch Tunnels und die Schlucht ins Gasterntal. Bald schon macht die Enge jedoch einer beachtlichen Weite und einem eindrücklichen Gletschertrogtal Platz. Flankiert von steilen Felswänden der Fisistöcke und des Doldenhorns auf der einen und des Balmhorns auf der anderen Talseite zieht sich die flache, von der jungen Kander in Mäandern durchflossene Ebene etwa 15km auf den Kanderfirn zu. Die ursprüngliche Wildheit des Tals hat sich weitgehend erhalten. Wohl weil es als eines der wenigen Täler des Berner Oberlandes wegen Lawinen nicht ganzjährig bewohnbar ist.

Wie an allen schönen Orten in den Alpen, wird auch hier mit Fliegerabwehrkanonen auf Murmeltiere und gefrorene Wasserfälle im Winter geschossen. Dabei sollen auch schon Eiskletterer ungewollt zur Zielscheibe geworden sein. Also: You better watch out, wenn die grünen Mannen im Tal sind.

Schon manche Neutourensucher haben die schroffen und hohen Wände nach brauchbaren Linien abgesucht - nur die wenigsten haben ihre Spuren hinterlassen. Abgeschreckt wohl durch mangelhafte Felsqualität am Tatelishorn oder weiten Zustiegen wie zur Doldenhornsüdwand.


Bild: Tom und Chrigu im Halpi, im Hintergrund die Jägertosse

Auch die Südabstürze der Fisistöcke blieben bis dahin unangetastet, obwohl manche Wandteile durch den Feldstecher eigentlich gut aussehen. Vor allem die Türme über dem Halpi, einem enormen Grashang, sahen vielversprechend aus und nach einem Besuch waren wir entschlossen, die Linien anzugehen.

In einem ersten Schritt bauten wir im Herbst 2000 das Halpibiwak, oben auf der ersten Talstufe gelegen und etwa eine Stunde vom Talgrund entfernt. Unter einem grossen Felsblock bietet es regensicheren Platz für sechs Leute. Wegen unsicherem Wetter eröffneten wir zunächst die ersten zwei Längen vom "Blindgänger", am unteren Felsband im Tal.

Schon da offenbarten sich erstmals die Tücken des vermeindlich griffigen und verfressenen Kalkes. Der Stein ist zwar rauh, hat Schuppen und auch einige Löcher, doch ist er so fies abwärtsgeschichtet, dass das Finden von Placements sehr schwierig wird. Tapfer kämpften wir uns die 75m den Pfeiler hoch, dann war auch schon die Luft draussen. Die Kletterei ist luftig, kühn und schwierig - zu schwierig für uns... Die erste Länge ist frei 7b, die zweite etwa 7a mit zwei p.a. (frei sicher 7c). Die verbleibenden 60m bis oben aufs Felsband haben wir bis heute nicht gebohrt. Wenn jamand ran will - nur zu. Von der Strasse gelangt man über die Geröllhalde in 20 min an den Einstieg bei einem zerschossenen Gelben Punkt. Die Wand ist extrem der Sonne ausgesetzt und es kann ganzjährig geklettert werden (Vorsicht wegen Schneeresten auf dem oberen Band).
In der Hoffnung, oben an den Halpitürmen bessere Bedingungen vorzufinden, nisteten wir uns im Sommer 02 im gemütlichen Biwak ein, hatten grosse Pläne und viele Bolts dabei. Als wir tags darauf unter grösstem Aufwand wieder nur eine Seillänge weit kamen, obwohl man vom Einstieg aus auf 6c tippen würde, brachen wir das Projekt Halpi vorderhand ab. Auch diese Seillänge ist eigentlich sehr schön, nur leider etwas schwer (7b+) und die Fortsetzung sieht noch abweisender aus. - Warum ich das alles überhaupt schreibe? Vielleicht findet sich ja mal ein Team, das dort oben eine Linie auf den Hauptgipfel ziehen kann (etwa sechs Seillängen) - Ich würde sie jedenfalls sofort klettern gehen. Bitte alle Neutoureninfos an uns.

Zugang:

Von Kandersteg aus mit eigenem Auto auf taxpflichtiger Strasse oder mit Gasterntaxi ab Bahnhof (Fahrplan: www.kandersteg.ch). Oder zu Fuss in etwa 1.5std vom Bahnhof.

Die genaue Aufstiegsroute zum Halpibiwak ist auf nebenstehender Karte eingetragen (das Biwak ist beim B). Der Weg startet beim Bänkli an der Strasse. Beim linken Punkt befindet sich der Einstieg vom "Blinggänger", beim rechten die Halpitürme.

 

 

Halpibiwak:

Es ist eben, regensicher und hat eine wunderbare Aussicht aufs Balmhorn. Der Aufstieg ist steil, spektakulär und bei Nässe oder Schnee wegen Lawinen nicht zu unterschätzen (ca. 1std vom Bänkli an der Strasse). Im Biwak hats in einem Fass folgendes Material: 1 Schlafsack, 1 Wolldecke, div. Mätteli, Plachen, Grillrost, Besteck, Pfannen, Kaffemaschinen, 1 Tassli, Daunenjacke, Olivenöl, Zucker, Salz und Kaffe. Mitbringen: Wassersack. Unterhalb des Biwaks hats Holz zum Feuern. Wasser holt man richtung Halpi.

Baumeister: Clüne, Nik, Dominic, Tom

Bouldern im Gasterntal:

Zuhinterst im Tal, zwischen Selden und Kanderfirn gibt es sehr schöne Boulderblocs. Tom Liemich (der Anfang 2005 leider bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückte) hat die Boulder 1999 entdeckt und erschlossen. Etwa 2 Jahre später waren Hanspeter Bodmer und Richi Signer aufgrund seiner Informationen zum ersten Mal da und definierten weitere Probleme. Ein Topo gibt es leider noch nicht.

Bild: Namenlose 6b Kante 10min von Selden. Bene und Mani

Bild: Topo Blindgänger














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